# Der Lachs in Deutschland: Eine kurze Geschichte
Der Atlantische Lachs (Salmo salar) war bis weit ins 19. Jahrhundert einer der häufigsten Wanderfische in deutschen Flüssen. Allein im Rhein wurden um 1900 noch über 100.000 Lachse pro Jahr gefangen – er galt als Allerweltsfisch, der so häufig auf den Tisch kam, dass Dienstboten sich vertraglich dagegen wehrten, mehr als dreimal pro Woche Lachs serviert zu bekommen.
Dann kamen Industrialisierung, Flussbegradigungen, Wehre und Verschmutzung. Der letzte Rheinlachs wurde 1958 gefangen. In der Elbe, Weser und Ems verschwand er ebenfalls. Der Atlantische Lachs galt in Deutschland als ausgestorben.
# Wiederansiedlung: Die Rückkehr des Lachses
Seit den späten 1980ern laufen in Deutschland umfangreiche Wiederansiedlungsprogramme – mit dem ehrgeizigen Ziel, den Lachs dauerhaft in unsere Flüsse zurückzubringen.
Rhein-System (seit 1988): Das größte Programm. Jährlich werden 78.000–140.000 Junglachse (Smolts) in Nebenflüssen wie Sieg, Wupper, Dhünn, Ahr und Saynbach ausgesetzt. Deutschland, Frankreich, die Schweiz, die Niederlande und Luxemburg arbeiten zusammen, um den Rhein bis 2027 wieder durchgängig für Wanderfische zu machen.
Elbe-System: Sachsen betreibt aktive Programme in der Sächsischen Schweiz, an der Mulde und der Schwarzen Elster. Auch in Tschechien wird besetzt, da viele Laichgebiete in den Oberläufen liegen.
Weser und Ems: Historische Lachsflüsse mit laufenden Renaturierungsprojekten, aber bisher ohne nennenswerte natürliche Reproduktion.
# Wie erfolgreich ist die Wiederansiedlung?
Ehrlich gesagt: noch nicht ausreichend. Die Rückkehrrate liegt bei nur 0,5–0,6 % – für eine selbsterhaltende Population bräuchte man mindestens 3 %. Im Rhein schätzt man die laichende Population auf nur 350–800 Tiere. Das größte Problem sind nach wie vor Wanderhindernisse: Wehre, Wasserkraftanlagen und fehlende Fischpässe versperren den Lachsen den Weg zu ihren Laichgebieten.
Trotzdem gibt es Fortschritte: In der Sieg (NRW) werden mittlerweile regelmäßig natürlich geschlüpfte Junglachse nachgewiesen – ein Zeichen, dass die Wiederansiedlung grundsätzlich funktioniert.
# Darf man Lachs in Deutschland angeln?
# Binnengewässer: Ganzjähriges Fangverbot
An Rhein, Elbe, Weser und deren Nebenflüssen gilt ein striktes Fangverbot für Lachs – ganzjährig und ohne Ausnahme. Die zurückkehrenden Lachse stammen aus den Wiederansiedlungsprogrammen und sind streng geschützt. Der Atlantische Lachs steht auf der Roten Liste (Gefährdungskategorie 1: vom Aussterben bedroht) und ist durch die EU-Habitatrichtlinie (FFH, Anhang II und V) geschützt.
Wer in einem Binnengewässer einen Lachs am Haken hat, muss ihn sofort schonend zurücksetzen – die Entnahmepflicht, die sonst in Deutschland gilt, greift hier ausdrücklich nicht.
# Ostsee: Unter strengen Bedingungen erlaubt
An der Ostseeküste von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern dürfen Freizeitangler Lachs angeln – aber unter klaren Regeln:
1. Maximal ein Lachs pro Tag. Mehr ist nicht erlaubt, egal ob vom Boot, vom Ufer oder von der Seebrücke aus.
2. Nur markierte Lachse dürfen behalten werden. Der Fisch muss die Fettflosse entfernt haben (Fettflossenmarkierung). Das zeigt, dass es ein Zuchtfisch aus Besatzprogrammen ist. Lachse mit intakter Fettflosse sind Wildlachse und müssen sofort zurückgesetzt werden.
3. Fischereischein erforderlich. In den Küstengewässern brauchst du einen gültigen Fischereischein oder einen Touristenfischereischein (in MV und SH ohne Prüfung erhältlich).
Diese Regelung wurde von den EU-Fischereiministern für 2026 bestätigt.
# Die Fettflosse: Was sie ist und warum sie entfernt wird
# Was ist die Fettflosse?
Die Fettflosse (lateinisch: Pinna adiposa) ist eine kleine, weiche Flosse, die zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse sitzt. Sie ist ein Erkennungsmerkmal aller Lachsartigen (Salmoniden) – also von Lachs, Forelle, Saibling, Äsche, Renke und Stint.
Im Gegensatz zu allen anderen Flossen hat die Fettflosse keine Flossenstrahlen und keine Muskulatur. Der Fisch kann sie nicht aktiv bewegen. Sie besteht aus Fettgewebe, das von Haut überzogen ist – daher der Name.
# Welche Funktion hat sie?
Lange galt die Fettflosse als funktionsloses Überbleibsel der Evolution – ein sogenanntes Rudiment. Neuere Forschung zeichnet ein anderes Bild:
Strömungssensor: Studien (u. a. University of Alberta, 2013) haben gezeigt, dass die Fettflosse reich an Nervenendigungen ist und auf Strömungsreize reagiert. Sie hilft dem Fisch vermutlich, Turbulenzen im Wasser wahrzunehmen und seine Schwimmbewegungen feiner zu steuern – besonders wichtig in schnell fließenden Gewässern, in denen Lachse laichen.
Hydrodynamische Funktion: Lachse ohne Fettflosse bewegen ihre Schwanzflosse messbar stärker und verbrauchen etwas mehr Energie beim Schwimmen. Die Fettflosse scheint also die Strömung zwischen Rücken- und Schwanzflosse zu stabilisieren.
# Braucht der Lachs die Fettflosse?
Ja und nein. Die Fettflosse hat eine nachgewiesene Funktion – aber ihr Fehlen ist für den Fisch nicht lebensbedrohlich. Lachse ohne Fettflosse können problemlos wandern, fressen, Raubtieren ausweichen und laichen. Der erhöhte Energieverbrauch ist messbar, aber gering.
Deshalb gilt die Fettflossenmarkierung als vertretbarer Eingriff: Der Nutzen für den Artenschutz (Zuchtfische von Wildlachsen unterscheiden zu können) überwiegt den geringen Nachteil für den einzelnen Fisch. Die Flosse wächst nicht nach, die Schnittstelle verheilt innerhalb weniger Tage.
# Warum wird sie entfernt?
In Fischzuchtanlagen wird Junglachsen vor dem Aussetzen die Fettflosse abgeschnitten – die sogenannte Fettflossenmarkierung (auch: Adiposenclipping). Das ist die einfachste und kostengünstigste Methode, um Millionen von Besatzfischen dauerhaft zu kennzeichnen.
Die Logik ist einfach:
- Lachs ohne Fettflosse = Zuchtfisch aus Besatzprogramm → darf unter Bedingungen entnommen werden
- Lachs mit Fettflosse = Wildlachs mit natürlicher Herkunft → muss sofort zurückgesetzt werden
So können Angler an der Ostsee in Sekundenschnelle entscheiden, ob sie den Fisch behalten dürfen oder nicht – ohne aufwendige DNA-Tests oder Schuppenproben.
Wusstest du? Die Fettflossenmarkierung wird weltweit eingesetzt – nicht nur bei Lachsen. Auch in Nordamerika werden Millionen von Pazifiklachsen (Chinook, Coho, Steelhead) so markiert, um Wildbestände von Besatzfischen zu trennen.
# Meerforelle: Die kleine Schwester des Lachses
Die Meerforelle (Salmo trutta trutta) ist eng mit dem Lachs verwandt und teilt viele seiner Eigenschaften: Sie ist ein Wanderfisch, der im Meer aufwächst und zum Laichen in Süßwasserflüsse aufsteigt. An der Ostseeküste ist sie einer der beliebtesten Zielfische – das Angeln auf Meerforelle vom Ufer aus hat in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eine lange Tradition.
Im Gegensatz zum Lachs sind die Bestände der Meerforelle stabiler, deshalb gelten weniger strenge Regeln. Allerdings gibt es regionale Schonzeiten zum Schutz der laichenden Fische:
Mecklenburg-Vorpommern: Geschützt vom 15. September bis 14. Dezember (alle Meerforellen). Schleswig-Holstein: Geschützt vom 1. Oktober bis 31. Dezember (Laichfische, erkennbar an dunkler Färbung; silberblanke Fische dürfen entnommen werden).
Mindestmaß: In den meisten Küstengewässern 45 cm. Informiere dich vor dem Angeln über die aktuellen Regeln des jeweiligen Bundeslandes.
# Ausrüstung fürs Lachs- und Meerforellenangeln
Das Angeln auf Lachs und Meerforelle an der Ostseeküste erfordert eine etwas speziellere Ausrüstung als das klassische Süßwasserangeln:
Rute: Spinnrute mit 2,70–3,05 m Länge und 15–40 g Wurfgewicht. Die Länge brauchst du für weite Würfe vom Ufer aus, das Wurfgewicht für Blinker und Küstenwobbler.
Rolle: Stationärrolle der Größe 3000–4000 mit guter Bremse und Salzwasserbeständigkeit.
Schnur: Geflochtene Hauptschnur (0,10–0,12 mm) mit Fluorocarbon-Vorfach (0,25–0,30 mm, ca. 1–1,5 m). Das Vorfach ist im klaren Ostseewasser fast unsichtbar.
Köder: Küstenblinker (18–30 g), Küstenwobbler, Springerfliegen. Beliebte Farben: Schwarz-Silber, Grün-Silber, Kupfer bei trübem Wasser, helle und natürliche Farben bei klarem Wasser.
Wathose: Fast unverzichtbar. Du stehst oft hüfttief im Wasser, um die nötige Wurfweite zu erreichen. Neopren (3–5 mm) für kalte Monate, atmungsaktive Wathose für den Sommer.
Weiteres: Watgürtel (Sicherheit!), Kescher mit langem Griff, Polbrille gegen Reflexionen auf dem Wasser, Maßband und Fischtöter.
Einsteiger-Tipp: Das Meerforellenangeln an der Ostsee ist ein fantastischer Einstieg in die Küstenfischerei. Die Meerforelle beißt häufiger als der Lachs, kämpft stark und ist ein hervorragender Speisefisch. Viele Angelvereine an der Küste bieten geführte Anfängertouren an.
# Häufige Fragen zum Lachsangeln
Darf ich im Rhein auf Lachs angeln?
Nein. Im gesamten Rhein-System und seinen Nebenflüssen (Sieg, Wupper, Ahr etc.) gilt ein ganzjähriges Fangverbot für Lachs. Alle zurückkehrenden Lachse stammen aus Wiederansiedlungsprogrammen und sind streng geschützt. Wenn du versehentlich einen Lachs fängst, musst du ihn sofort schonend zurücksetzen.
Wie erkenne ich, ob ein Lachs eine Fettflosse hat?
Schau auf den Rücken des Fisches zwischen Rückenflosse und Schwanzflosse. Dort sitzt normalerweise eine kleine, weiche Flosse ohne sichtbare Strahlen – die Fettflosse. Wenn an dieser Stelle nur eine glatte Narbe ist, wurde die Flosse entfernt und der Fisch ist ein markierter Besatzlachs. Im Zweifel: Fisch zurücksetzen.
Brauche ich einen Fischereischein für das Lachsangeln an der Ostsee?
Ja. In den Küstengewässern von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern brauchst du einen gültigen Fischereischein. Alternativ kannst du in beiden Bundesländern einen Touristenfischereischein ohne Prüfung erwerben (in MV für 24 €/28 Tage, in SH als Urlauberfischereischein).
Was ist der Unterschied zwischen Lachs und Meerforelle?
Beide gehören zur Familie der Lachsartigen und sehen sich ähnlich. Der Lachs (Salmo salar) hat einen schlankeren Schwanzstiel, einen leicht gegabelten Schwanz und weniger Punkte unterhalb der Seitenlinie. Die Meerforelle (Salmo trutta) hat einen breiteren Schwanzstiel, einen geraden bis leicht eingebuchteten Schwanz und Punkte auch unterhalb der Seitenlinie. Im Zweifel hilft die Schwanzprobe: Wenn du den Fisch am Schwanzstiel hochheben kannst, ist es eher eine Meerforelle – der Lachs rutscht wegen des schlankeren Stiels durch.
Wann ist die beste Zeit für Meerforelle an der Ostsee?
Die Hauptsaison läuft von März bis Mai (Frühjahr) und von September bis November (Herbst). Im Frühjahr jagen die abgelaichten, hungrigen Fische dicht an der Küste. Im Herbst ziehen die kräftigen Aufsteiger Richtung Laichflüsse. Beachte die Schonzeiten: In MV ab 15. September, in SH ab 1. Oktober.
# Fazit
Der Lachs kehrt langsam in deutsche Gewässer zurück – aber er braucht noch viel Hilfe. Die Wiederansiedlungsprogramme zeigen erste Erfolge, und an der Ostsee ist unter strengen Auflagen gezieltes Lachsangeln möglich. Wer sich für das Küstenangeln auf Lachs und Meerforelle interessiert, findet an der Ostsee eines der spannendsten Angelreviere Deutschlands.
Mehr zum Thema Angelschein, Kosten und Ausrüstung findest du in unserem ausführlichen Hauptartikel: Angeln in Deutschland: Vom Angelschein bis zum ersten Fang.
