Smartphones sind im Notfall das erste, was versagt. Wer kommunizieren will, wenn die Mobilfunkmasten überlastet oder ohne Strom sind, braucht ein Funkgerät – und das richtige Wissen darüber, was man damit legal darf.
Dieser Vergleich zeigt vier Geräte aus zwei Kategorien: lizenzfreie PMR446-Walkie-Talkies für den sofortigen Einsatz ohne Prüfung, und Amateurfunkgeräte für alle, die eine Lizenz haben oder anstreben. Alles Wissenswerte zur rechtlichen Lage, zur Amateurfunkprüfung und zum Thema AA-Batterien erklärt unser Ratgeber zum Thema Funken.
# PMR446: Lizenzfrei, sofort einsatzbereit
PMR446 ist das europaweit einheitliche System für lizenzfreien Kurzstreckenfunk. Keine Prüfung, keine Anmeldung – einfach kaufen und funken, solange das Gerät CE-zertifiziert ist und die erlaubten 0,5 Watt nicht überschreitet.
# 1. Midland G9 Pro – Das Beste für die Vorsorge
Midland G9 Pro
★ Unser FavoritDas G9 Pro ist das am besten durchdachte PMR-Gerät für Notfallvorsorge. AA-Batterien inklusive – kein proprietärer Akku, der irgendwann nicht mehr lieferbar ist. Mit IPX4 ist es spritzwassergeschützt und funktioniert im Regen. Wichtig: Es wird als Einzelgerät verkauft – für Kommunikation braucht man zwei Exemplare (~160 € für ein Paar).
Hinweis: Das G9 Pro hat kein UKW-Radioempfänger. Das in den technischen Daten genannte “FM” bezieht sich auf die Modulationsart des Funksignals (FM/F3E), nicht auf den Empfang von Rundfunksendern.
Der Kanalscan durchsucht automatisch alle 16 Kanäle nach Aktivität, der Notrufton alarmiert alle verbundenen Geräte gleichzeitig. Für den Ernstfall genau das Richtige.
Stärken: AA-Batterien, IPX4 spritzwassergeschützt, Notrufton, europaweit zugelassen, Dual-Band (PMR446 + LPD). Schwächen: Kein UKW-Radioempfänger. Größer und schwerer als kompakte Alternativen. Reichweite in der Stadt realistisch 1–3 km. Reichweite: Bis 12 km (Herstellerangabe, freies Gelände) / 1–3 km (real, bebaut).
# 2. Motorola T82 Extreme – Der Bekannte aus dem Baumarkt
Motorola T82 Extreme
✓ Preis-Leistungs-SiegerDas T82 Extreme ist das meistverkaufte PMR-Gerät in Europa und in vielen Baumärkten erhältlich. Robustes Gehäuse, IPX4 (spritzwassergeschützt), einfache Bedienung. Für gelegentlichen Outdoor-Einsatz eine solide Wahl.
Für die Notfallvorsorge hat es aber zwei Schwächen: Der eingebaute NiMH-Akku ist nicht ohne Weiteres austauschbar – im Stromausfall fehlt das Ladegerät. Es gibt einen AA-Batteriehalter als Zubehör, der muss aber separat gekauft werden. Außerdem fehlt ein FM-Radioempfänger.
Stärken: Twinpack (~75 €), weit verbreitet, IPX4, einfache Bedienung, gute Verarbeitung. Schwächen: Kein FM-Radio, NiMH-Akku (AA-Backup nur mit separatem Halter), kein dedizierter Notrufton. Reichweite: Bis 10 km (Herstellerangabe) / 0,5–2 km (real, bebaut).
# Amateurfunk: Mit Lizenz deutlich mehr Reichweite
Wer die Amateurfunklizenz Klasse E hat, darf auf VHF/UHF-Bändern mit bis zu 100 Watt senden und Repeater nutzen – Anlagen, die das Signal empfangen und mit größerer Reichweite weiterleiten. In der Praxis bedeutet das: 30–50 km in der Stadt über Stadtrepeater, statt 1–3 km mit PMR. Im Notfall ein erheblicher Unterschied.
Ohne Lizenz dürfen diese Geräte nur zum Empfang genutzt werden.
→ Alles zur Lizenz, zur Prüfung und zu den Kosten: Amateurfunk-Ratgeber
# 3. Baofeng UV-5R – Der Einstieg für Lizenzierte
Baofeng UV-5R
✓ Preis-Leistungs-SiegerKein anderes Amateurfunkgerät ist so weit verbreitet wie das UV-5R. Unter Einsteigern weltweit und in vielen Notfunkgruppen ist es der Standard. Dual-Band (VHF 144 MHz + UHF 430 MHz), FM-Radio, programmierbar per kostenloser CHIRP-Software.
Für ~5 € gibt es einen 6×AA-Batteriepack – damit wird der UV-5R zum echten Notfallgerät, das auch ohne Strom einsatzbereit bleibt:
HYS 6×AA Batteriepack für Baofeng UV-5R~5 €Ansehen →
Die Verarbeitung ist für den Preis ordentlich, aber kein Vergleich zu Yaesu oder Kenwood. Kenwood-Geräte wie das TH-D75A sind technisch exzellent, aber mit 400–500 € klar im Fortgeschrittenen-Segment – für den Einstieg in die Notfallvorsorge überdimensioniert.
Rechtlicher Hinweis: In Deutschland darf der UV-5R nur mit gültiger Amateurfunklizenz gesendet werden. Er ist nicht PMR446-konform. Ohne Lizenz darf er ausschließlich als Empfänger genutzt werden.
Stärken: Sehr günstig, Dual-Band, FM-Radio, AA-Pack verfügbar, riesige Community, CHIRP-kompatibel. Schwächen: Kein IP-Rating, mäßige Verarbeitung, Bedienung ohne Anleitung unintuitiv. Kein Garantie-Service in DE. Sendeleistung: 1 W / 5 W (umschaltbar).
# 4. Yaesu FT-60R – Das zuverlässige Arbeitstier
Yaesu FT-60R
★ Unser FavoritDas FT-60R ist seit Jahren eine der verlässlichsten Empfehlungen in der Amateurfunk-Community für alle, die ein robustes Handfunkgerät für den Notfall wollen. Spritzwassergeschützt, solides Aluminium-Chassis, intuitive Bedienung – und eine der besten Empfindlichkeiten seiner Klasse.
Es empfängt ein breites Frequenzspektrum (108–520 MHz und 700–999 MHz), darunter Flugfunk, Wetterfunk und natürlich FM-Radio. Der mitgelieferte Akku lässt sich durch einen AA-Batteriehalter ersetzen – für echte Energieunabhängigkeit im Notfall.
Stärken: Erstklassige Empfangsqualität, breites Frequenzspektrum, spritzwassergeschützt, AA-Option, langer Ruf in der Community, japanische Qualität. Schwächen: Preis (~130 €), begrenzte Amazon.de-Verfügbarkeit (ggf. beim Fachhändler bestellen). Kein USB-C-Laden. Sendeleistung: 0,5 W / 2,5 W / 5 W (umschaltbar).
# Welches Gerät für welchen Zweck?
Für die erste Notfallausrüstung ohne Vorkenntnisse ist das Midland G9 Pro die richtige Wahl: sofort nutzbar, keine Lizenz, AA-Batterien. Wer zusätzlich UKW-Radioempfang für öffentlich-rechtliche Notfalldurchsagen braucht, sollte ein separates Kurbelradio oder Notfallradio mit AA-Betrieb ergänzen – das G9 Pro bietet das nicht.
Wer eine Amateurfunklizenz hat oder plant, sollte parallel zum PMR-Gerät einen Baofeng UV-5R als günstigen Einstieg ins Amateurfunk-Segment mitnehmen – und bei Bedarf zum Yaesu FT-60R upgraden, wenn Verarbeitungsqualität und Empfangsstärke wichtiger werden.
# Erwähnenswert: Albrecht Tectalk Duo PMR & Freenet
Albrecht Tectalk Duo PMR & Freenet
Wer UKW-Radio direkt im Funkgerät möchte, findet es hier: Der Tectalk Duo kombiniert PMR446 mit dem deutschen Freenet-Band (149 MHz, 1 Watt – etwas mehr Reichweite als PMR) und hat einen echten integrierten UKW-Radioempfänger sowie IP56-Schutz und USB-C-Laden.
Der entscheidende Nachteil für die Notfallvorsorge: Kein AA-Batterien-Betrieb. Das Gerät läuft ausschließlich über einen proprietären 2000-mAh-Akku – fällt der Strom aus, ist das Ladegerät wertlos. Außerdem ist Freenet nur in Deutschland (und nicht innerhalb von 10 km zur belgischen oder polnischen Grenze) nutzbar.
Stärken: Echter UKW-Radioempfänger, IP56, Dual-Band PMR446 + Freenet (1 W), USB-C, Farb-Display, VOX, SOS-Alarm. Schwächen: Kein AA-Betrieb, proprietärer Akku, Freenet nur in Deutschland, teurer als Midland G9 Pro. Fazit: Gute Wahl für Alltag und Outdoor-Touren. Für die ernsthafte Notfallvorsorge bleibt die fehlende AA-Option ein Ausschlusskriterium.
Kann ich das Midland G9 Pro und das Baofeng UV-5R gleichzeitig betreiben?
Nein – PMR446 und Amateurfunk nutzen unterschiedliche Frequenzen und können nicht miteinander kommunizieren. Beide Geräte sind für unterschiedliche Szenarien gedacht: PMR für lizenzfreie Nahkommunikation, Amateurfunk für lizenzierte Weitkommunikation über Repeater.
Wie lange halten AA-Batterien in einem PMR-Gerät?
Im Midland G9 Pro hält ein Satz AA-Alkalibatterien je nach Nutzungsintensität 10–20 Stunden. Im Standby (empfangen, selten senden) deutlich länger. Qualitätsbatterien von Energizer oder Duracell sind hier Pflicht – Billigbatterien entladen sich schneller und leisten bei Kälte weniger.
Kann ich das Baofeng UV-5R auch für den PMR446-Dienst nutzen?
Nein. Das UV-5R ist technisch nicht PMR-konform (falsche Kanalrasterung, nicht auf 0,5 W begrenzt). Der Betrieb auf PMR-Frequenzen mit dem UV-5R ist in Deutschland ohne Amateurfunklizenz illegal.
Wo kaufe ich das Yaesu FT-60R, wenn es auf Amazon.de nicht verfügbar ist?
Kann man Walkie Talkies verschiedener Hersteller mischen?
Ja – aber nur innerhalb derselben Kategorie und mit kompatiblen Einstellungen. Alle PMR446-Geräte (Midland, Motorola, Kenwood, Uniden usw.) können miteinander kommunizieren, solange Kanal und ggf. Subton (CTCSS/DCS) übereinstimmen. Unterschiedliche Hersteller sind kein Problem.
Amateurfunkgeräte verschiedener Marken funktionieren ebenso problemlos zusammen – ein Baofeng UV-5R kann mit einem Yaesu FT-60R sprechen, wenn beide auf derselben Frequenz und mit denselben Einstellungen arbeiten.
Was nicht funktioniert: PMR446 mit Amateurfunk mischen. Diese Systeme nutzen komplett unterschiedliche Frequenzen und sind technisch nicht kompatibel. Dafür braucht man schlicht zwei verschiedene Geräte – eins pro Kategorie.
