# Warum Funken im Notfall entscheidend ist
In den ersten Stunden nach einer ernsthaften Krise – Stromausfall, Hochwasser, Sturm – ist das Mobilfunknetz das erste, was zusammenbricht. Millionen von Menschen versuchen gleichzeitig zu telefonieren. Die Masten sind überlastet oder ohne Strom. Dein Smartphone ist ein teurer Taschenrechner.
Funkgeräte sind unabhängig von Mobilfunkinfrastruktur, Internetverbindungen und Stromnetzen. Sie funktionieren von Akku zu Akku, direkt zwischen Geräten – ohne Umweg über irgendeinen Server. Das macht Funk zu einer der zuverlässigsten Kommunikationsmethoden in Notlagen.
Aber: Einfach ein Gerät kaufen und drauflosreden ist keine Option. Deutschland hat klare Regeln, wer auf welchen Frequenzen funken darf – und die Kontrolle ist ernsthaft.
# Warum du nicht einfach funken darfst
Funk ist kein Wildwuchs. Das gesamte Frequenzspektrum in Deutschland wird von der Bundesnetzagentur verwaltet. Jedes Frequenzband ist einem bestimmten Nutzungsbereich zugewiesen – Flugfunk, Rettungsdienste, Militär, Rundfunk, Amateurfunk, und eben auch der lizenzfreie PMR446-Bereich.
Das bedeutet: Für den Amateurfunk-Sendebetrieb brauchst du in Deutschland eine entsprechende Zulassung und ein personengebundenes Rufzeichen. Wer auf einer Frequenz sendet, für die er keine Zulassung hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 148 TKG (Telekommunikationsgesetz). Die Bundesnetzagentur kann Geräte einziehen und der Betreiber kann für Interferenzschäden haftbar gemacht werden.
Noch wichtiger für die Vorsorge: Wer unerlaubt auf Rettungsfrequenzen oder Behördenfunk funkt, stört kritische Kommunikation in echten Notlagen. Das ist nicht nur illegal, sondern gefährlich.
Die gute Nachricht: Es gibt zwei legale Wege, ohne großen Aufwand einsatzbereit zu sein.
# PMR446 – Der lizenzfreie Einstieg
PMR446 (Private Mobile Radio) ist das europaweit einheitliche System für lizenzfreien Kurzstreckenfunk. Innerhalb der EU darf jeder ohne Prüfung oder Anmeldung auf den 16 PMR446-Kanälen senden – solange das Gerät EU-zugelassen ist und die erlaubten 0,5 Watt nicht überschreitet.
Das klingt wenig, reicht aber für viele Notfallszenarien: direkte Kommunikation in einem Haushalt, zwischen Nachbarn, auf einem Campingplatz oder innerhalb einer Gruppe auf einer Wanderung.
Was PMR446 gut kann:
- Sofortige Kommunikation ohne Vorkenntnisse
- Keine Registrierung, keine Lizenz, kein Aufwand
- Geräte sind erschwinglich (ab ~30 € pro Paar)
- In ganz Europa auf denselben Kanälen nutzbar
Was PMR446 nicht kann:
- Größere Distanzen (in der Stadt realistisch 500 m – 2 km)
- Keine Flexibilität bei Kanälen oder Leistung
- Keine Nutzung von Repeater-Infrastruktur
Wichtig beim Kauf: Nur CE-zertifizierte PMR446-Geräte kaufen. Billigimporte ohne CE-Kennzeichen sind häufig auf mehr als 0,5 Watt einstellbar – und damit in Deutschland illegal. Im Zweifelsfall auf den Aufdruck achten: „PMR446" und CE-Symbol müssen sichtbar sein.
# Das richtige Walkie Talkie
Für die Notfallvorsorge gibt es ein paar Kriterien, die wirklich wichtig sind – und die viele Billiggeräte nicht erfüllen:
AA-Batterien statt Akkupack. Im Stromausfall nützt dir ein Gerät mit proprietärem Ladeakku wenig. Geräte, die mit handelsüblichen AA-Batterien betrieben werden können, sind im Notfall immer nachversorgbar – Batterien liegen in jedem Supermarkt und jeder Taschenlampe.
FM-Radio-Empfang. Ein eingebautes UKW-Radio empfängt die Durchsagen öffentlich-rechtlicher Sender, die im Notfall via Rundfunk informieren. Das ist eine oft unterschätzte Informationsquelle, wenn das Internet ausgefallen ist.
IP-Schutzklasse. Staub und Nässe sind in echten Notlagen real. Mindestens IPX4 (spritzwassergeschützt) sollte es sein – besser IP67 (untertauchbar).
Kanalscan und Notrufton. Professionelle PMR-Geräte scannen automatisch alle Kanäle auf Aktivität und haben einen dedizierten Notrufton, der alle verbundenen Geräte alarmiert.
Midland G9 Pro
★ Unser FavoritDas Midland G9 Pro erfüllt alle diese Kriterien: AA-Batterien (inklusive), FM-Radio, IPX4 spritzwassergeschützt, Kanalscan, Notrufton und ein robustes Gehäuse. Es wird als Einzelgerät verkauft – für Kommunikation zwei Stück einplanen (~160 € für ein Paar).
# Amateurfunk – Die ernsthafte Option
Wer Funk wirklich ernst nimmt, kommt am Amateurfunk nicht vorbei. Mit einer Lizenz darfst du auf deutlich mehr Frequenzen, mit weit höherer Sendeleistung und unter Nutzung von Relaisstationen (Repeater) funken – Anlagen, die dein Signal empfangen und mit mehr Reichweite weiterleiten.
Das bedeutet in der Praxis: Während PMR446 in der Stadt kaum 2 km schafft, kann ein lizenzierter Amateurfunker über Stadtrepeater problemlos 30–50 km überbrücken. In Katastrophengebieten, wo Mobilfunk ausgefallen ist, betreiben Amateurfunkclubs eigenständige Notfunknetze.
Was Amateurfunk zusätzlich bietet:
- VHF (2m) und UHF (70cm) mit bis zu 5 Watt (Klasse E) oder 750 Watt (Klasse A)
- Nutzung von Repeatern für große Reichweiten
- Weltweiter Kurzwellenfunk mit Klasse A
- Aktive Einbindung in organisierte Notfunknetze (z. B. DARC Notfunk)
- Technisches Verständnis, das im Ernstfall Improvisationen ermöglicht
# Die Amateurfunklizenz holen
Die Prüfung wird von der Bundesnetzagentur abgenommen und ist in zwei Klassen gegliedert:
Klasse E (Einsteiger): Erlaubt Senden auf VHF- und UHF-Bändern mit bis zu 100 Watt. Für die Notfallvorsorge absolut ausreichend. Prüfungsgebühr: 80 €.
Klasse A (Vollllizenz): Ermöglicht zusätzlich Kurzwelle (weltweiter Funk), bis zu 750 Watt und alle Amateurfunkbänder. Prüfungsgebühr: 80 € (separat von Klasse E).
# Wo die Prüfung ablegen?
Die Anmeldung erfolgt direkt über die Bundesnetzagentur (bundesnetzagentur.de). Prüfungstermine finden bundesweit statt, meist in den Regionalstellen. Zusätzlich zur Prüfungsgebühr kommt eine Zulassungsgebühr für das persönliche Rufzeichen (~70 €).
Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) ist die größte Anlaufstelle für Vorbereitung. Die meisten der über 900 DARC-Ortsverbände bieten:
- Kostenlose oder günstige Vorbereitungskurse
- Lerngruppen und Prüfungssimulationen
- Mentoring durch erfahrene Funker
Online-Vorbereitung: Der DARC stellt auf seiner Website Lernunterlagen und Fragenkataloge kostenlos bereit. Die App „Morsecode Trainer" und Plattformen wie „AFu-Trainer" ermöglichen strukturiertes Selbststudium.
# Zeitaufwand
Mit 1–2 Stunden täglich ist Klasse E in 4–8 Wochen erreichbar. Der Prüfungsstoff umfasst Betriebstechnik, Vorschriften und technische Grundlagen – kein Mathematikstudium, aber auch kein Spaziergang.
# Gültigkeit
Die Lizenz gilt unbefristet und bundesweit. Das persönliche Rufzeichen bleibt lebenslang. Innerhalb Europas gilt die Lizenz durch das CEPT-Abkommen in 42 Ländern.
# Das richtige Amateurfunkgerät
Für den Einstieg – und insbesondere für die Notfallvorsorge – ist ein kompaktes Handfunkgerät (HT, Handheld Transceiver) die sinnvollste Wahl. Es passt in die Jackentasche, arbeitet auf Batterie und deckt die wichtigsten VHF/UHF-Bänder ab.
Das Gerät, das die meisten Einsteiger weltweit verwenden und das sich auch für Notfallvorsorge bewährt hat:
Baofeng UV-5R
Das Baofeng UV-5R ist kein High-End-Gerät – aber ein erstaunlich funktionales für den Preis. Es empfängt FM-Radio, kann mit einem handelsüblichen AA-Batteriepack betrieben werden (separat erhältlich, ~5 €), und deckt beide relevanten Amateurfunkbänder (VHF 144 MHz / UHF 430 MHz) ab. Für lizenzierte Funker ist es ein zuverlässiger Einstieg.
Wichtig: Den Baofeng UV-5R darf in Deutschland nur kaufen und besitzen, wer eine gültige Amateurfunklizenz hat – oder das Gerät ausschließlich als reinen Empfänger nutzt. Ohne Lizenz senden ist illegal, auch auf PMR-Frequenzen, da der UV-5R technisch nicht PMR-konform ist.
Wer mehr Verarbeitungsqualität und deutschen Service sucht, findet in Geräten von Yaesu (FT-60R, FT-70DR) robustere Alternativen im Bereich 120–200 €. Kenwood-Geräte wie das TH-D75A sind technisch exzellent, aber mit 400–500 € klar im Fortgeschrittenen-Segment – für Notfallvorsorge als Einstieg überdimensioniert.
# AA-Batterien: Warum das entscheidend ist
Dieser Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Fast alle Handfunkgeräte liefern mit proprietären Lithium-Akkus. Im normalen Betrieb ist das praktisch. Im Notfall – nach drei Tagen Stromausfall – ist der Akku leer und du hast kein Ladegerät.
AA-Batterien sind die universelle Notfallstromquelle. Sie liegen in Taschenlampen, Uhren, Fernbedienungen. Qualitätsbatterien von Energizer oder Duracell halten 10–15 Jahre in der Schublade. Und im schlimmsten Fall bekommst du sie noch in jedem Supermarkt, der mit Bargeld zahlt.
Für den Notfall gilt: Wähle Geräte, die entweder nativ mit AA laufen oder für die es einen AA-Batteriepack gibt. Das Midland G9 Pro läuft nativ auf AA. Das Baofeng UV-5R bekommt mit dem separat erhältlichen 6×AA-Pack diese Fähigkeit:
HYS 6×AA Batteriepack für Baofeng UV-5R~5 €Ansehen →
# Weiterführende Seiten
Für tiefere Vergleiche zwischen konkreten Geräten:
→ Funkgeräte Vergleich – PMR446-Walkie-Talkies und Amateurfunkgeräte für Notfall und Outdoor im direkten Vergleich
Darf ich ein PMR446-Gerät einfach kaufen und sofort benutzen?
Ja – PMR446-Geräte, die in der EU zugelassen sind, dürfen ohne Lizenz auf den 16 PMR-Kanälen betrieben werden. Wichtig: Das Gerät muss CE-zertifiziert und auf die erlaubten 0,5 Watt begrenzt sein. Viele billige Importgeräte ohne CE-Zeichen sind nicht zulässig.
Was passiert, wenn ich ohne Lizenz auf Amateurfunkfrequenzen funke?
Für den Amateurfunk-Sendebetrieb brauchst du in Deutschland eine entsprechende Zulassung und ein personengebundenes Rufzeichen. Wer ohne Zulassung auf Amateurfunkfrequenzen sendet, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach dem Telekommunikationsgesetz (TKG). Die Bundesnetzagentur kann das Gerät beschlagnahmen. Im Wiederholungsfall oder bei vorsätzlicher Störung anderer Funkdienste drohen strafrechtliche Konsequenzen.
Wie lange dauert die Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung?
Mit 1–2 Stunden täglichem Lernen sind die meisten Kandidaten für Klasse E in 4–8 Wochen prüfungsreif. Für Klasse A (Volllizenz) rechne mit 3–6 Monaten zusätzlich. Der DARC bietet strukturierte Lernmaterialien und Kurse an, viele Ortsverbände haben regelmäßige Abendkurse.
Wie viel kostet die Amateurfunkprüfung?
Die Prüfungsgebühr bei der Bundesnetzagentur beträgt 80 € für Klasse E und 80 € für Klasse A. Hinzu kommt eine einmalige Zulassungsgebühr von rund 70 € für das Rufzeichen. Vorbereitungskurse beim DARC kosten je nach Ortsverband 50–200 €, viele sind kostenlos für Mitglieder.
Gilt meine Amateurfunklizenz auch im Ausland?
In den meisten europäischen Ländern ja – durch das CEPT-Abkommen gilt dein deutsches Rufzeichen in 42 Ländern. Du funkst dann mit dem Präfix des Gastlandes, z. B. OE/DL1ABC in Österreich. Außerhalb Europas gelten eigene Regelungen, oft ist eine Besucherlizenz erforderlich.
Wie weit reichen PMR446-Geräte wirklich?
Die Herstellerangaben von 5–30 km sind Maximalwerte unter idealen Bedingungen (freies Gelände, keine Hindernisse). In der Praxis – im Wald, in der Stadt oder in Gebäuden – sind 0,5–3 km realistisch. Für Notfallkommunikation in der unmittelbaren Umgebung reicht das oft aus.
Was ist der Unterschied zwischen PMR446 und Amateurfunk?
PMR446 ist ein lizenzfreier Kurzstreckenfunk mit festen Kanälen und maximal 0,5 Watt. Amateurfunk erlaubt deutlich mehr Leistung (bis 750 Watt), viele Frequenzbänder, Relaisstationen und weltweite Verbindungen – erfordert aber eine Lizenz.
# Fazit
Funk ist eine der wenigen Kommunikationstechnologien, die ohne Infrastruktur funktionieren. Wer vorbereitet sein will, sollte beides haben: ein PMR446-Gerät für den sofortigen, lizenzfreien Einsatz und mittelfristig eine Amateurfunklizenz für ernsthaftere Reichweiten.
Der Aufwand für die Amateurfunklizenz (Klasse E) ist überschaubar. Die Investition – etwa 200 € für Gebühren und Gerät – ist gemessen an dem, was man im Ernstfall damit kommunizieren kann, minimal.
Und achte auf AA-Batterien. Wenn der Strom weg ist, ist der Akku weg.
