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Notfallplan für Zuhause: Der komplette Leitfaden (mit Vorlage)

Notizbuch mit handgeschriebenem Notfallplan auf einem Küchentisch, warmes Licht

Ein Notfallplan für Zuhause ist keine Übung für Katastrophenfilme. Er beantwortet ganz konkrete Fragen: Wo findet ihr euch, wenn das Handy nicht funktioniert? Was macht ihr in den ersten 72 Stunden ohne Strom und Wasser? Wer hat welche Dokumente, und wo liegen sie?

Das dauert einen Nachmittag. Es kostet kaum etwas. Und der Unterschied zu keinem Plan ist enorm.

# Was passiert tatsächlich in Deutschland?

Bevor du anfängst zu planen, lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu fragen: Wofür planst du eigentlich?

Die häufigsten Szenarien, nach Eintrittswahrscheinlichkeit:

Stromausfall (1–72 Stunden): Durch Sturm, technisches Versagen oder Überlastung des Netzes. Passiert regelmäßig, auch in Deutschland. Kühlschrank, Heizung (Pumpe!), Licht, Handy-Ladeinfrastruktur – alles fällt aus.

Wasserausfall oder -verunreinigung: Rohrbruch, Hochwasser, Chemieunfall. Seltener als Stromausfall, aber wenn er kommt, ist er kritischer. Kochen, trinken, Toilette – alles betroffen.

Extremwetter: Schneechaos, Sturmflut, Hitzewelle. Zunehmend häufiger. Kann bedeuten: mehrere Tage nicht aus dem Haus kommen oder kein Supermarkt erreichbar.

Krankheit oder Verletzung zuhause: Jemand im Haushalt fällt aus. Keine direkte Katastrophe, aber ohne Vorräte, Erste Hilfe und einen Plan macht selbst eine normale Situation Stress.

Evakuierung: Brand im Haus, Gasaustritt, Chemieunfall in der Nähe. Keine Wartezeit, kein langes Überlegen. In Minuten weg sein müssen.

Für diese fünf Szenarien bauen wir den Plan.


# Schritt 1: Kommunikationsplan

Der am häufigsten vergessene Teil. Kommunikation bricht in Notfällen oft zuerst zusammen – Handynetze sind überlastet, Batterien leer, niemand weiß, wo der andere ist.

Treffpunkt festlegen – zwei davon:

  • Einen direkt ums Haus (z.B. der große Baum vor dem Eingang, der Parkplatz gegenüber) – für Hausbrände und schnelle Evakuierungen.
  • Einen außerhalb des Viertels (z.B. bei Verwandten, an einem bekannten Ort in der Stadt) – für größere Ereignisse.

Beide Adressen müssen alle Haushaltsmitglieder auswendig kennen. Kinder einschließen.

Außerorts-Kontakt benennen: Eine Person außerhalb eurer Stadt, die als Kommunikationszentrale dient. Lokal überlastete Netze können oft fernab noch erreicht werden. Jeder ruft dort kurz an: „Ich bin okay, ich bin bei [Treffpunkt]."

Telefonnummern aufschreiben – nicht nur im Handy speichern. Handy kaputt, Handy gestohlen, Akku leer: dann sind alle Nummern weg. Eine handgeschriebene oder gedruckte Liste mit den wichtigsten Nummern (Familie, Notarzt, Apotheke, Nachbar) gehört in die Schublade.

Radio bereithalten: Ein batteriebetriebenes oder per Kurbel betreibbares UKW-Radio ist im Stromausfall die einzige zuverlässige Informationsquelle. Behörden senden Lageberichte über den Rundfunk, wenn andere Kanäle ausfallen. Welche Geräte empfehlenswert sind: → Notfallradio-Vergleich: Die besten Kurbelradios


# Schritt 2: Vorräte für 72 Stunden

Das BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz) empfiehlt 10 Tage. Ein realistischer Einstieg sind 72 Stunden – das deckt die häufigsten Ereignisse ab und ist ohne großen Aufwand aufzubauen.

# Wasser

Mindestens 2 Liter pro Person und Tag, besser 3. Für eine vierköpfige Familie bedeutet das 24–36 Liter für 72 Stunden. Handelsübliche 1,5-Liter-PET-Flaschen funktionieren. Wer langfristiger denkt: lebensmittelechte Kanister (5–10 L) mit Schraubverschluss, befüllt aus dem Hahn.

Mehr dazu: → Wasservorrat anlegen: Wie viel, was und wie lagern

Für den Fall, dass der gespeicherte Vorrat aufgebraucht ist oder Wasser aus einer unbekannten Quelle aufbereitet werden muss:

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Der Sawyer Squeeze filtert Bakterien und Protozoen mechanisch – kein Verbrauchsmaterial. Micropur-Forte-Tabletten (Chlordioxid) sind für den Rucksack und als Backup ideal.

# Lebensmittel

Keine Hochleistungsmahlzeiten nötig. Was zählt: haltbar, kein Kochen nötig (oder einfach zuzubereiten), kalorienreich genug. Genaue Mengenangaben für jeden Zeithorizont und fertige Einkaufslisten: → Lebensmittelvorrat anlegen: 72h bis 3 Monate Bewährte Basics:

  • Nudeln, Reis, Couscous (kurze Kochzeit, hohe Kaloriendichte)
  • Konserven (Hülsenfrüchte, Thunfisch, Tomaten, Suppen)
  • Knäckebrot, Nüsse, Müsliriegel
  • Peanutbutter, Honig, Salzgebäck
  • Instant-Kaffee, Tee, Schokolade (Moral zählt)

Rotieren: Verbrauchsdatum im Blick behalten, regelmäßig tauschen.

# Licht

Stromausfall nachts ist eine fundamental andere Situation als tagsüber. Mindestens eine gute Taschenlampe pro Haushalt – zusätzlich eine Stirnlampe, damit beide Hände frei bleiben. Welche Modelle sich für die Notfallvorsorge bewähren: → Taschenlampen für Vorsorge & Notfall

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# Erste Hilfe

Ein vollständiges Kit, das auch Wundversorgung abdeckt – nicht die Plastikdose aus dem Supermarkt. Was wichtig ist: Verbandsmaterial, Druckverbände, Rettungsdecke, Schmerzmittel, Kohletabletten, Pinzette, Schere.

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Was in ein gutes Kit reingehört: → Das perfekte Erste-Hilfe-Kit

# Weitere Basics

  • Bargeld in kleinen Scheinen: Kartenzahlung funktioniert bei Stromausfall nicht. 100–200 € in kleinen Scheinen reichen für die meisten Szenarien.
  • Medikamente: Mindestens 2 Wochen Vorrat eigener Dauermedikamente.
  • Hygiene: Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, ggf. Damenhygieneartikel.
  • Wärme: Wolldecken, Notfalldecken. Besonders wichtig, wenn die Heizungspumpe vom Strom abhängt.
  • Werkzeug: Multitool oder Taschenmesser, Dosenöffner, Klebeband.

# Schritt 3: Dokumente sichern

Im Ernstfall – besonders bei Evakuierung – braucht man Dokumente schneller, als man denkt. Wer sie nicht griffbereit hat, verliert wertvolle Zeit oder steht ohne wichtige Unterlagen da.

Was gesichert werden sollte:

  • Personalausweis, Reisepass (Originale)
  • Geburtsurkunden, Heiratsurkunde
  • Krankenversicherungskarte und wichtige medizinische Unterlagen (Blutgruppe, Allergien, Impfausweis)
  • Versicherungspolicen (Hausrat, Haftpflicht, KFZ, Kranken, Lebens)
  • Bankunterlagen, wichtige Verträge
  • Vollmachten und Testament

Zwei Kopien anlegen:

  • Eine in einer feuerfesten Box oder einer stabilen Klarsichthülle im Notfallrucksack
  • Eine digital (verschlüsselt, Cloud oder USB-Stick)

# Schritt 4: Evakuierungsplan

Wenn es heißt „ihr müsst jetzt raus" – was dann? Wer packt was, wer kümmert sich um wen, was nehmt ihr mit?

Jeder hat seinen eigenen Rucksack: Idealerweise hat jeder Erwachsene im Haushalt einen gepackten Notfallrucksack, der sofort mitgenommen werden kann. Kinder ab etwa 6–8 Jahren können einen kleinen Rucksack mit eigenem Trinkwasser, Snacks und einer Taschenlampe tragen – das gibt ihnen auch im Ernstfall ein Stück Handlungsfähigkeit. Kleinere Kinder tragen nichts, aber ihre Sachen sind im Rucksack eines Erwachsenen vorgeplant.

Was rein muss und wie er gepackt wird: → Notfallrucksack packen: Was wirklich rein muss

Ablauf festlegen: Wer kümmert sich um Kleinkinder oder Haustiere? Wer schaltet was ab (Gashahn, Strom)? Das klingt trivial, ist es aber nicht – unter Stress fällt auch das Naheliegende aus.

Zwei Fluchtrouten kennen: Mindestens zwei Wege, das Haus zu verlassen. Besonders wichtig bei Feuer.

Treffpunkt: Wo trefft ihr euch, wenn ihr euch beim Verlassen des Hauses verliert? (→ Schritt 1)


# Schritt 5: Plan mit dem Haushalt durchgehen

Ein Plan, den nur eine Person kennt, ist kein Plan. Alle Haushaltsmitglieder müssen wissen, was zu tun ist.

  • Den Plan einmal gemeinsam durchgehen – nicht theoretisch, sondern konkret: „Wenn jetzt Feuer ist, was machst du?"
  • Treffpunkte zeigen, nicht nur erklären
  • Bei Kindern: ruhig und sachlich. Kein Drama, keine Angst – eine Übung, wie ein Feuerwehrplan in der Schule.
  • Den Plan aufschreiben und sichtbar aufhängen (z.B. innen an einem Küchenschrank)

# Die Notfallplan-Vorlage

Drucke diese Liste aus und füll sie aus. Eine Seite, ausgehängt oder in der Schublade:

UNSER NOTFALLPLAN
=====================================
Datum: _______________

TREFFPUNKTE
Treffpunkt 1 (nahe): _______________
Treffpunkt 2 (weiter): _______________

NOTFALLKONTAKT AUSSERORTS
Name: _______________
Nummer: _______________

WICHTIGE NUMMERN
Notruf: 112
Polizei: 110
Giftnotrufzentrale: 030 19240
Hausarzt: _______________
Apotheke: _______________
Nachbar: _______________
Verwandte: _______________

GASHAHN (Standort): _______________
STROM / SICHERUNGSKASTEN (Standort): _______________
NOTFALLRUCKSACK steht: _______________
DOKUMENTE liegen: _______________
WASSERVORRAT (Standort): _______________

BESONDERHEITEN
Medikamente (wer braucht was): _______________
Haustiere: _______________
Sonstiges: _______________

# Was du NICHT brauchst

Das Feld „Vorsorge" hat ein Paranoia-Problem. Was du für einen soliden Basisplan definitiv nicht brauchst:

Keinen Bunker. Du bereitest dich auf 72 Stunden bis maximal 10 Tage vor, nicht auf eine Apokalypse. Ein Keller mit Vorräten reicht.

Keine Jahresvorräte als Einstieg. Start mit 72 Stunden. Dann schrittweise ausbauen, wenn du willst.

Keine Gasmasken. Außer du lebst direkt neben einer Chemiefabrik. Für den Rest: Fehlinvestition.

Keine Waffen. Deutschland ist kein Failed State. Bewaffnung erhöht im Notfall das Risiko für deinen eigenen Haushalt mehr als sie es senkt.

Keine High-End-Ausrüstung als Erstes. Eine 25-Euro-Taschenlampe und eine befüllte Wasserflasche sind effektiver als ein leerer 200-Euro-Rucksack.


# Und jetzt?

Fang diesen Nachmittag an. Nicht „bald". Nicht „wenn ich mehr Zeit habe".

Reihenfolge nach Impact:

  1. Telefonnummern aufschreiben und Treffpunkte festlegen – 20 Minuten
  2. Wasservorrat anlegen – einen Nachmittag
  3. Notfallrucksack zusammenstellen – einen Nachmittag
  4. Dokumente kopieren und sichern – einen Abend
  5. Den Plan mit dem Haushalt durchgehen – 30 Minuten

Mehr zu den einzelnen Schritten:


Wie lange sollten meine Vorräte reichen?

Das BBK empfiehlt 10 Tage. Starte mit 72 Stunden – das reicht für die häufigsten Szenarien (Sturm, Stromausfall, Wasserausfall). Mit 72 Stunden bist du bereits besser vorbereitet als die meisten Haushalte in Deutschland.

Was tun bei einem mehrtägigen Stromausfall im Winter?

Heizung (Gastherme läuft mit Strom), warmes Wasser, Licht – alles fällt aus. Wichtig: Wolldecken, warme Kleidung, ggf. Kerzen mit Vorsicht. Wenn es drinnen zu kalt wird (unter ~10°C), Wärmesammelstellen aufsuchen – Kommunen richten diese bei längerem Blackout ein. Radio halten aktuelle Infos bereit.

Muss der Notfallplan irgendwo registriert werden?

Nein. Es ist ein privater Plan für deinen Haushalt. Nichts muss angemeldet werden. Den Plan bei allen Haushaltsmitgliedern bekannt zu machen ist das Einzige, was zählt.

Was ist, wenn ich alleine wohne?

Dann ist der Außerorts-Kontakt besonders wichtig – jemand, der im Notfall weiß, wo du bist. Außerdem empfehle ich: gute Nachbarsbeziehung. Gegenseitige Unterstützung in Krisen funktioniert besser als Einzelkämpfer-Logik.

Soll ich die Kinder über den Notfallplan informieren?

Ja – sachlich und ohne Dramatik. Kinder wissen oft schon, dass es Unfälle und Unwetter gibt. Ein klarer Plan beruhigt mehr als er ängstigt. Treffpunkte gemeinsam abgehen, Treffpunkt 2 zeigen, die wichtige Nummer auswendig lernen. Kein Katastrophen-Framing.

Was ist der Unterschied zwischen einem Notfallplan und einem Notfallrucksack?

Der Notfallplan regelt: Wer macht was, wo treffen wir uns, wen rufen wir an. Der Notfallrucksack ist das, was du mitnimmst, wenn du das Haus verlassen musst. Beide ergänzen sich – aber der Plan kommt zuerst, weil er auch ohne Rucksack gilt.

Anja & Marco Bullin

Seit 2014 beschäftigen wir uns mit Outdoor-Ausrüstung und Vorsorge. Wir empfehlen nur, was wir selbst nutzen oder nach eingehender Recherche wirklich für gut befinden – auf mehrtägigen Trekkingtouren, im Alltag und im Notfallrucksack. Mehr über uns →

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